Sonntag, 2. Juli 2017

[Rezension] Das zweite Gesicht


Massachusetts, Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf der Flucht vor ihrem brutalen Vater zündet die 15-jährige Polly die heimische Farm an, der Vater kommt in den Flammen um. Polly und ihr kleiner Bruder finden Zuflucht bei einer strenggläubigen Shaker-Gemeinde. Hier fühlt sich Polly sicher - bis ihre Vergangenheit sie unbarmherzig einholt. 


Diese Geschichte zu rezensieren ist gar nicht so einfach. Aufmerksam geworden auf das Buch, bin ich zunächst durch das eindrucksvolle Cover, dass mich irgendwie direkt gefesselt hat. Auch der Klappentext war für mich vielversprechend, da ich Geschichte über religiöse Gemeinschaften immer wieder spannend finde. 
Die Geschichte wird insgesamt aus drei Perspektiven erzählt. Zum einen hätten wir da Polly, die zusammen mit ihrem Bruder Zuflucht in der Gemeinde findet. Polly hat keine einfach Kindheit erlebt und muss sich erst einmal an die vielen neuen Regeln und das Leben bei den Shakern gewöhnen. Charity, ein Mädchen mit dem sich sich ein Zimmer teilt, ist ihr dabei eine große Hilfe und zeigt ihr nach und nach alles. Pollys Kapitel haben mir sehr gut gefallen, da man durch sie, nach und nach die Shaker-Gemeinde kennen lernen und sich quasi einleben konnte. 

Neben Polly, erleben wir auch viele Abschnitte aus Charity's Sicht. Charity ist schon ein Mitglied der Shaker, seit sie ein Baby ist und somit geht ihr Glauben sehr tief. Charity zu begleiten war für mich um einiges schwieriger, da ich irgendwie nicht so richtig warm mit ihr wurde. Auch ihr extrem starker Glauben und ihre Reaktionen auf verschiedene Ereignisse, waren für mich manchmal schwer nachzuvollziehen. Dennoch waren auch diese Kapitel sehr spannend. 

Zuletzt bleibt noch Simon Pryoer aus dessen Sicht ein Handlungsstrang erzählt wird. Ihn zu erleben, war stets ein starker Kontrast zu den Mädchen. Zu Beginn mochte ich die Kapitel mit ihm irgendwie überhaupt nicht, weil mich die Gemeinde zu dem Zeitpunkt viel mehr interessiert hat. Er soll den Brand untersuchen und Pollys Mutter finden. Mit der Zeit wurde diese Suche immer spannender und ereignisreicher und ich habe sie gerne gelesen. 
Insgesamt konnte ich das Buch sehr schnell und flüssig lesen, da der Schreibstil sehr einfach gehalten ist. Ab der Mitte schleichen sich leider einige Längen ein, wodurch die Geschichte dann etwas arg zäh wurde. Zum Ende hin hat die Autorin das Tempo noch einmal gesteigert und der Ausgang hat mir sehr gut gefallen. Er war stimmig mit dem Rest der Geschichte. 


Insgesamt gesehen ist "Das zweite Gesicht" keine große Literatur, aber dennoch sehr empfehlenswert. Die Charaktere sind gut ausgebaut und glaubwürdig, die Story interessant und die Atmosphäre sehr einnehmend. 



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