Donnerstag, 20. Juli 2017

[Rezension] Sumerland - Prinzessin Serisada


Nur wenig Eingeweihte wissen, dass unsere Zivilisation nichts als eine kollektive Illusion ist, in der die Menschen gefangen gehalten werden. In Wahrheit tobt ein geheimer Krieg in der phantastischen Realität hinter der Scheinwelt unseres Alltags. Auf der einen Seite steht der babylonische Stadtkegel von Waylhaghiri, in dem alle Zivilisationsepochen der Menschheit übereinander geschichtet sind. Diese einzige Stadt auf der Welt lebt von der Perfektionierung der zivilisatorischen Ästhetik. Glamour, Moden und kalkulierte Manipulation sind bis in die Intimsphäre allgegenwärtig. In diesem System müssen die Bewohner ihren sozialen Status jeden Tag aufs Neue verteidigen. Auf der anderen Seite steht die umgebende Wildnis des Sumerlandes, in der Tiermenschen leben, die verspielt und kindlich, aber auch unberechenbar und grausam sind. Die jahrhundertealten, doch ewig kindlichen Herrscher beider Reiche, Prinz Zazamael und Prinzessin Serisada, kämpfen erbittert um die Vorherrschaft. Zazamael benötigt für die endgültige Dominanz seines Reiches - die in Form einer Emulsion von Traum und Wirklichkeit namens "große Fusion" erfolgen soll - den "wilden Wein" als rettendes Elixier. Auf der Suche nach dem "wilden Wein" dringt er unter ständiger Bedrohung durch die sumerländischen Tiermenschen ins Herz von Serisadas Reich vor. Auf dieser Reise werden alle seine Gefährten einer nach dem anderen hingemeuchelt, wobei der Prinz das eigentliche Ziel des Attentäters zu sein scheint. Erst einen Schritt vor dem Ziel angekommen erkennt Zazamael, wer der Mörder ist. Währenddessen gelingt es Serisada, als Spionin in Waylhaghiri einzudringen. Dort hat sie die schwierige Aufgabe, sich in der Zivilisation zu behaupten, ohne enttarnt zu werden. Zunächst gelingt ihr eine ihr eine beachtliche Karriere als Designerin, bis es zu einem der regelmäßigen Zusammenbrüche der ästhetischen Muster in Waylhaghiri kommt, wodurch - wie jedes Mal - ein Teil der Stadt untergeht, indem er von tödlichem Silber bedeckt wird. Leider ist es der Teil der Stadt, den Serisada designt hat und in dem sie lebt.  


Wie man bereits anhand des (wirklich sehr sehr langen) Klappentextes merkt, handelt es sich bei "Sumerland" um eine sehr komplexe und mit Sicherheit keine leichte Lektüre. 
Der Einstieg war für mich zunächst ziemlich verwirrend, da man die Geschichte anfangs aus der Sicht einer Person erlebt, bei der man überhaupt nicht weiß um wen es sich da eigentlich handelt. Auch der Schreibstil ist ganz anders als ich es gewohnt bin und man muss sich erst einmal damit auseinander setzen. Auf mich hat es häufig gewirkt, als würde ich eine Rohfassung lesen, die noch nicht vollständig überarbeitet wurde. Es fehlte an vielen Stellen einfach der Feinschliff. 

Zum einen erleben wir also die etwa 40 Jahre alte Ich-Erzählerin, die oftmals in einem inneren Monolog zu ihrem verstorbenen Freund Andi spricht. Das war sehr verwirrend, da ich länger gar nicht wusste wer dieser Andi überhaupt ist. Diese namenlose Frau hat auf mich leider bis zuletzt keinen sympathischen Eindruck gemacht und die Abschnitte mit ihr, waren für mich sehr anstrengend. Ständig schwanken die Erzählungen zwischen Realität und Fiktion, wobei mir selbst oft nicht klar war, was nun was ist. 
Dann gibt es noch Prinz Zazamael, der die Stadt Waylhaghiri durch seinen Rat leiten lässt. Er selbst strebt eine große Fusion an und begibt sich selbst in das Sumerland, in der Hoffnung, die fehlende Zutat zu finden um sein Ziel verwirklichen zu können. Diese Abschnitte haben mir am besten gefallen, da ich mich hier deutlich wohler gefühlt habe als bei den Erzählungen der unbekannten Dame. 
Prinzessin Serisada ist die Widersacherin von Prinz Zazamael. Bei ihr hatten mich ein bisschen gestört, dass ihr in der Stadt alles in die Hände fällt und sich mehrere Zufälle aneinander eignen, die doch sehr konstruiert wirkten. Mich hätte zudem interessiert wie Serisada überhaupt erst in die Stadt gelangt, aber davon erfährt man leider nichts. Genau wie der Prinz wirkt sie oftmals noch sehr kindlich, obwohl sie beide bereits mehrere hundert Jahre alt sind. Ich hatte auch hier Schwierigkeiten mich mit den Figuren anzufreunden, aber diese Passagen waren bei weitem nicht so konfus und anstrengend wie die der unbekannten Dame. Im Gegenteil, hier hat sich oftmals Spannung aufgebaut und ich war neugierig über den weiteren Verlauf. 

Sehr außergewöhnlich und herausragend ist die Welt in der wir uns befinden. Zum einen gibt es natürlich die reale Welt, aber zentraler Punkt der Geschichte ist zum einen Sumerland und dann natürlich die großartige Stadt Waylhaghiri. Diese sieht man auch auf dem Cover und hier wird direkt die Besonderheit deutlich. Ganz unten wirkt die Stadt von der Architektur her sehr mittelalterlich. Je weiter hoch man sich bewegt um so ausgefeilter sind die architektonischen Arbeiten und umso moderner werden die einzelnen Ebenen. Der Prinz wohnt selbstverständlich ganz oben am höchsten Punkt der Stadt. 
Die Stadtbewohner selbst bekommen jeden Tag neue Aufgaben vom Rat durch die sie sich beweisen müssen. Gewinnt man an Ansehen hinzu so erhält man einen Schlafplatz weiter oben in der Stadt, verliert man an Ansehen so werden einem Privilegien entzogen und man muss in den unteren Etagen schlafen. 
Dieses System ist sehr interessant und mir gefallen die einzelnen Schichten und der Aufbau der Stadt sehr. Etwas vergleichbares habe ich bislang zumindest noch nicht erlebt. 


Insgesamt gesehen ist die Geschichte definitiv keine leichte Lektüre, sondern vielmehr sehr komplex. Ich hatte starke Distanz-Gefühle bezüglich der Figuren und wirklich sympathisch war mir bis zuletzt niemand. Der verwirrende Einstieg und auch der sprunghafte Wechsel zwischen Realität und Fiktion waren mitunter sehr anstrengend, weshalb es hier Punktabzüge gibt. Auch gibt es einige Cliffhanger und der Schluss ist recht abrupt, wodurch nun viele Fragen offen sind. Dadurch bin ich sehr neugierig auf den zweiten Band und hoffe, dass dann alle Fragen geklärt werden. Das Buch eignet sich für Menschen, die beim Lesen gerne ein bisschen miträtseln und mitdenken möchten. 





1 Kommentar:

  1. Das Buch hat am Anfang sehr interessant gewirkt, aber was du da so beschreibst hört sich sehr verwirrend an. Ich mag es nämlich auch nicht wenn ich nicht genau weiß wer gerade erzählt und "wo" man denn jetzt in der Geschichte überhaupt ist.
    Liebe Grüße,
    Anne

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